Hepatitis C in der Schweiz: Es ist nicht alles auf gutem Weg

Unser Kommentar zu der neuesten Analyse im BAG-Bulletin

Hepatitis Schweiz begrüsst die neue detaillierte Auswertung aus dem Meldewesen zu Hepatitis C. Die Zahlen stagnieren auf hohem Niveau oder sinken nur leicht. Zudem ist die Krankheitslast hoch.

- Akute Fälle: Die Meldungen sind auf tiefem Niveau. Jedoch gilt es zu beachten, dass hier bei weitem nicht alle Fälle gemeldet werden. Erfasst werden nämlich nur symptomatische akute Fälle, die eine Gelbfärbung der Haut aufweisen. Bei einem grossen Teil der Neuansteckungen tritt diese jedoch nicht auf.

- Chronische Fälle: Es ist besorgniserregend, dass die Meldungen von rund 1'300 neuen Diagnosen pro Jahr auf hohem Niveau sind und nur leicht sinken. Zudem wird geschätzt, dass immer noch bis zu 40'000 Menschen mit Hepatitis C in der Schweiz leben. Ein Drittel davon ist nicht diagnostiziert. Diese gilt es zu finden und zu behandeln.

- Die Krankheitslast ist hoch. Die 200 Todesfälle aufgrund von Hepatitis C pro Jahr sind zu viel. Auch hier ist wie bei den akuten Meldungen davon auszugehen, dass nicht alle Sterbefälle erfasst werden: Die Zahlen können bis zu fünf Mal höher sein, wie die Studie zeigt, dessen Methodik das BAG für seine Auswertung übernommen hat. Denn Hepatitis C als Todesursache wird nicht systematisch erfasst: Die Personen sterben an den Folgeerkrankungen von Hepatitis C wie Leberkrebs oder –versagen, welche dann auf dem Totenschein stehen.

- Risikogruppen: Einerseits gibt es bei Risikogruppen wie den Drogenkonsumierenden Lücken beim Testen und Behandeln. Trotz entsprechender Empfehlung werden nicht alle Personen, die intravenös Drogen konsumieren, regelmässig getestet. Über alle Meldungen gesehen macht diese Gruppe etwa die Hälfte der Betroffenen aus. Wo die restlichen nicht diagnostizierten Personen sind, wissen wir nicht.

Fazit: Aufgrund der heute zur Verfügung stehenden Möglichkeiten beim Testen und der Behandlung von Hepatitis C ist jeder Leberkrebs, jede Lebertransplantation und sowieso jeder Todesfall als Folge von Hepatitis einer zu viel. Es gibt folglich noch viel zu tun. Insbesondere, wenn wir Hepatitis C bis 2030 eliminieren wollen, wie es die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Schweizer Hepatitis-Strategie vorsehen.

Bulletin 45/19: Hepatitis C in der Schweiz, die epidemiologische Situation 2015 - 2018

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