Swiss Hepatitis Symposium 2019: Micro-Elimination

Es braucht neue Wege

Obwohl die Schweiz ein vorbildliches Gesundheitswesen hat, ist kein Ende der viralen Hepatitis absehbar: Bei der Hepatitis B gibt es nach wie vor Impflücken. Und wir behandeln und heilen aktuell zu wenige Menschen mit Hepatitis C, um die Eliminationsziele zu erreichen.

Es fehlt einerseits an Aufmerksamkeit für das Thema, aber auch die bereitgestellten Ressourcen genügen nicht. Integration von Hepatitis in bestehende Gesundheitsprogramme – wie zum Beispiel solchen für HIV – sind ein Weg, die Elimination kostengünstig und effizient anzugehen. Ein weiterer Ansatz ist die Mikro-Elimination: das Ausrotten von viraler Hepatitis bei klar definierten Zielgruppen. Die Schweiz hat mit einer Studie bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben, bereits gute Erfahrungen gemacht. Aber auch die Geburtenkohorte 1950 – 1985 oder das Gefängnissetting könnten interessant sein für einen Mikro-Eliminations-Ansatz.

Das diesjährige Symposium wird verschiedene Projekte vorstellen. Wir freuen uns zudem auf unseren internationalen Gast, der ein Verfechter der Mikro-Elimination ist. Den Abschluss macht eine Podiumsdiskussion, welche auch die gesundheitspolitischen Aspekte beleuchten wird.

Zum Programm.

Hier geht's zur Anmeldung.

Organisiert von Hepatitis Schweiz und Public Health Schweiz

Swiss Hepatitis Symposium 2018: Closing the Gaps

«International ist es klar, woher der Wind weht», mit diesen Worten eröffnete Michel Kazatchkine, ehemaliger Global-Fund-Direktor und HIV-Pionier, das Swiss Hepatitis Symposium 2018. Es brauche die Integration von Hepatitis in alle Programme. «Mainstreaming», lautet heute das Schlagwort. Wie es auch bei der Bekämpfung von HIV entscheidend ist, müssten auch bei Hepatitis die besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen im Zentrum stehen. Das sei schliesslich auch eine Frage der Menschenrechte, des Rechts auf Gesundheitsversorgung für alle, so Professor Kazatchkine in seinem Eröffnungsvotum.

Am Symposium nahmen über 70 Personen aus der ganzen Schweiz aus den unterschiedlichsten Disziplinen teil. Der erste Teil widmete sich den Lücken in der Versorgung von Patientinnen und Patienten. Andrea Bregenzer vom Kantonsspital Aarau stellte zusammen mit dem Basler Infektiologen Claude Scheidegger die erschreckend grossen Lücken in der Behandlungskaskade bei der Hochrisikogruppe der Drogenkonsumierenden vor. Doch schon durch wenig aufwändige Intervention kann die Viruslast in dieser Gruppe drastisch und nachhaltig gesenkt werden. Bei den Männern, die Sex mit Männern haben, gibt der Swiss HCVree Trial, vorgestellt von Infektiologe Dominique Braun, Hoffnung auf die Mikroelimination von Hepatitis C in dieser Gruppe. Andreas Lehner, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Schweiz, zeigte warum es wichtig ist, das Verhalten der Community zu kennen, um wirksame Präventionsarbeit zu leisten. Erschreckend auch die Situation in den Schweizer Gefängnissen. Die weit verbreitete Praxis des unsterilen Tätowierens oder auch der eingeschränkte Zugang zu Prävention, Testen und Therapien zeigte der Gefängnisarzt Hans Wolff aus Genf eindrücklich auf. Hier gibt es noch sehr viel Handlungsbedarf.

HIV und Hepatitis gemeinsam angehen

Der zweite Teil stand ganz im Zeichen der Elimination. Nationalrätin Barbara Gysi plädierte in ihrem Grusswort dafür, HIV und Hepatitis gemeinsam anzugehen. Das Bundesamt für Gesundheit sollte aktiver sein. Bettina Maeschli, Geschäftsführerin von Hepatitis Schweiz, stellte die ersten Erfolge der Strategie vor und zeigte auf, dass die Schweiz die Eliminationsziele der WHO kaum erreichen wird. Denn die Behandlungszahlen von Hepatitis-C-Patienten sind wieder rückläufig. Infektiologe Jan Fehr gab ein engagiertes Plädoyer ab für «Leidenschaft und Mut» auch im Kampf gegen Hepatitis, so wie es für HIV auch der Fall war und ist. Es gälte, die Elimination von HIV und Hepatitis voranzutreiben und die beiden «zu verheiraten», und nicht auf weitere Studienresultate und Evidenz zu warten. Und schliesslich berichtete Greg Dore, Infektiologie aus Sidney, von der vorbildlichen australischen Eliminationsstrategie. Australien hat schon seit Jahrzehnten eine Strategie gegen Hepatitis und ist auf dem Weg zur Elimination gut unterwegs. Dank einem innovativen Preis-Volumen-Modell für die Medikamentenpreise, das die Regierung mit den Pharmafirmen aushandeln konnte – die Regierung hat über fünf Jahre die Ausgaben für die Therapien festgelegt, je mehr therapiert wird, desto günstiger wird die einzelne Therapie – konnten schon ein grosser Teil der Betroffenen behandelt werden. Weiter können - anders als in der Schweiz - auch Hausärzte Hepatitis-C-Therapien verschreiben. Und es besteht ein starker Fokus auf den Risikogruppen. Eindrücklich war zu sehen, wie gut die Datenlage in Australien ist, um die Elimination zu überwachen.

Die Schweiz hätte alles, um auch bei Hepatitis, wie schon bei HIV, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Doch es fehlt an Problembewusstsein und dem politischen Willen. Wir haben die einmalige Chance, eine gefährliche Infektionskrankheit zu eliminieren. Diese sollten wir packen.

Wir danken den Sponsoren Abbvie, Aids-Hilfe Schweiz, Arud Zentren für Suchtmedizin, Bundesamt für Gesundheit, Gilead, Krebsliga Schweiz, Swiss Association for the Study of the Liver SASL für die wertvolle Unterstützung.

Zu den Präsentationen:

1_A. Bregenzer und C. Scheidegger: People who inject drugs
2_D. Braun: Microelimination - A Promising Approach in Ending Hepatitis C
3_A. Lehner: A Short View on the MSM Prevention Side
4_H. Wolff: Filling the Gaps in Prisons
5_B. Maeschli: Swiss Hepatitis Strategy - Where are we today
6_J. Fehr: What can we learn from HIV/Aids?
7_G. Dore: Australia - About to eliminate hepatitis C?

Alle Talks des Symposiums finden Sie auf unserem Youtube-Kanal hier.

Swiss Hepatitis Symposium 2017: Moving Towards Elimination

Am Mittwoch, 15. November, fand das diesjährige Symposium zu Hepatitis in Bern statt, dieses Mal mit dem Titel: “Moving Towards Elimination”. Im ersten Teil erhielten die knapp 70 Teilnehmenden einen Überblick über die wichtigsten klinischen Updates zu Hepatitis B, C und E. Die spannenden Vorträge zeigten: Es bewegt sich einiges, insbesondere auch wegen der rasanten Entwicklung der Therapien bei Hepatitis C. Doch hier bleibt noch viel zu tun: Die Behandlungskaskade, vom Test über die Diagnose bis zur Behandlung, ist nach wie vor ungünstig. Zu viele Patienten gehen auf dem Weg verloren und werden nicht geheilt. Bei Hepatitis B gibt es eine wirksame Impfung, doch erst 70 Prozent der Jugendlichen werden geimpft. Hepatitis B kann zwar – ähnlich wie HIV – behandelt werden, so dass die Virenlast unterdrückt werden kann. Doch bis zur Heilung ist der Weg noch lang.

Weiter hörten die Teilnehmenden, wie wichtig die Unterstützung von chronisch Infizierten durch andere Patienten sind: Der Schweizerische Hepatitis C Vereinigung, die sich auch für Hepatitis B öffnen will, stellte ihre Arbeit vor.

Im zweiten Teil stellte das BAG die neusten Zahlen zu Hepatitis B und C vor. Die Impflücken sollen zukünftig weiter geschlossen werden, wenn dank Mehrfachimpfstoffen mehr Säuglinge geimpft werden. Bei Hepatitis C ist dank der stufenweise Aufhebung der Rationierung der Therapien eine Zunahme der Behandlungen gegenüber 2016 von etwa 450 zu beobachten.

Prof. Marc Bourlière aus Marseille stellte die Situation in Frankreich vor. Der politische Wille für die Behandlung war schon im 2016 da. Die ANRS, eine Forschungsagentur, die ursprünglich für HIV gegründet, leitet heute die Erforschung von viraler Hepatitis. Der Output ist bemerkenswert. Eine Screening-Strategie ist noch nicht vorhanden, aber in Bearbeitung. Die Zahl der Hepatitis-C-Therapierten in Frankreich nimmt zu. Doch der Weg für die Elimination ist noch weit: Es fehlt an Awareness bei Ärzten, dem medizinischen Personal und in der Allgemeinbevölkerung. Es braucht besseres Screening und Diagnose. Und die Diagnostizierten müssen auch wirklich behandelt werden.

Fazit: Heute stehen heilende Therapien für Hepatitis C allen zur Verfügung. Für Hepatitis B gibt es eine Impfung und gute Medikamente. Trotz Fortschritten ist es noch ein weiter Weg zur Elimination. Es braucht gute Screeningkonzepte, es müssen mehr Personen diagnostiziert werden und diese müssen dann auch einer Behandlung zugeführt werden.

Dem Symposium ging ein Netzwerk-Meeting am Vormittag voraus. Erstmals war das Netzwerk Hepatitis-Strategie beim Bundesamt für Gesundheit zu Gast. Rund 30 Mitglieder des Netzwerks diskutierten den Stand der Umsetzung der Hepatitis-Strategie. Vier Flagship-Projekte wurden definiert, an denen in den nächsten Monaten schwerpunktmässig gearbeitet werden soll: Evaluation von Screening-Konzepten, Hausarzt-Trainings, Label „Hepatitis-Free“ sowie Follow-Up Treatment. Des Weiteren wurde beschlossen, sich an der Erarbeitung von Impfstrategien auf nationaler Eben zu beteiligen.

Wir danken den Sponsoren Abbvie, Arud, MSD und dem Bundesamt für Gesundheit für die Unterstützung.

Download der Präsentationen:

Beat Müllhaupt, University Hospital Zurich:
Hepatitis B and D - Update on clinical aspects (PDF)

Francesco Negro, University Hospital Geneva
Update on Hepatitis C
 (PDF)

Darius Moradpour, University Hospital Lausanne
Hepatitis E
 (PDF)

Christophe Boesiger, Swiss Hepatitis C Association
The Swiss HCV patients organization was founded by patients to help patients 
(PDF)

Christian Schaetti, Federal Office for Public Health
The Swiss Figures on Hepatitis
 (PDF)

Marc Bourlière, St. Joseph Hospital, Marseille (F)
The French national strategy : the way to universal access and elimination
 (PDF)

Swiss Hepatitis Symposium 2016

Über 80 Teilnehmende nahmen am gestrigen Symposium zur Elimination von viraler Hepatitis an der Universität Zürich teil. Rednerinnen und Redner aus dem In- und Ausland stellten neueste epidemiologische Daten vor sowie Modelle, wie eine Elimination möglich ware. Patienten berichteten davon, wie sehr eine chronische Hepatitis C die Lebensqualität beeinträchtigen kann. Die Diskussionen an der von Thomas Zeltner moderierten Veranstaltung drehten sich immer wieder um die hohen Preise und die vom BAG verhängte Einschränkung der Kassenpflichtigkeit für bestimmte Patientengruppen. Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmende auf dem abschliessenden Podium: Die Schweiz hätte alle Voraussetzungen dafür, ein Musterland zu werden. Dank des ausgezeichnet aufgestellten Gesundheitssystems könnte die virale Hepatitis in wenigen Jahren eliminiert werden. Doch dazu braucht es eine behördlich unterstützte nationale Strategie und den Zugang zu den Hepatitis-C-Medikamenten für alle.

Die Präsentationen zum Download:

Philip Bruggmann, Swiss Hepatitis Strategy, Zurich
The Swiss Hepatitis Strategy: A Strong Network is Key to Addressing Viral Hepatitis

Roger Kouyos, University Zurich
Who is affected in Switzerland? The epidemiologist's Point of View

Charles Gore, World Hepatitis Alliance, London
Hepatitis C as a systemic disease: The Patient's Point of View

Daniel Horowitz, Swiss Hepatitis C Association, Zurich
HCV Progression of Symptoms

Beat Müllhaupt, University Hospital Zurich
Not everything is about the liver

Sarah Blach, Center of Disease Analysis, Colorado
The elimination of HCV: What Data Modelling Predicts

Jan Fehr, University Hospital Zurich
Challenges for Health Care Providers: From Patients to Policy