Studien und Projekte

Hier führen wir die spannendsten aktuellen Projekte, Studien und Artikel rund um Hepatitis B und C auf. Das beinhaltet sowohl die Aktivitäten von Hepatitis Schweiz, wie die sogenannten "Flagship-Projekte", mit denen das Netzwerk Schweizer Hepatitis-Strategie das Eliminationsziel verfolgt, als auch Aktivitäten anderer Akteure.

Ist Ihr Projekt, Ihre Studie nicht aufgeführt? Gerne erfahren wir davon: info@hepatitis-schweiz.ch.

Flagship-Projekte

"HepCare" - Hepatitis-Versorgung bei der Hausärztin und beim Hausarzt

Projektziel: Die Rolle von Hausärzten und Suchtmedizinern beim Testen, Diagnostizieren und Behandeln sowie beim Impfen (Hepatitis B) soll gestärkt werden. Wissenslücken sollen geschlossen werden und die Grundversorger sollen Unterstützung durch ein Netzwerk von Spezialisten erhalten.

Bedarf: Die Hepatitis-C-Therapie ist dank der Unkompliziertheit, kurzen Dauer bei hohen Erfolgsaussichten eine dankbare Aufgabe. Die Behandlung ist dank der neusten, gegen alle Virustypen wirksamen Generation von Medikamenten in der Regel unkompliziert. Der Spezialist muss die Therapie verschreiben, die Begleitung der Therapie kann aber durch den Hausarzt erfolgen. Damit erfolgt eine Sensibilisierung der Grundversorger für alle Belange der viralen Hepatitis, was zu Optimierungen in der Behandlungskaskade führen soll.

Massnahmen: Das Projekt startet mit einem Pilot in Kantonen. Es wird ein Spezialistenzirkel aufgebaut, der für Konzilien, Beratungen und Rezeptausstellung zur Verfügung steht. Grundversorger werden mit Schulungen und Infomaterialien für das Durchführen von Hepatitis-C-Therapien motiviert.

Projektleitung: Hepatitis Schweiz

Projektstart und -dauer: Seit Mitte 2018, Dauer bis Ende 2022

Kontakt: Bettina Maeschli, Geschäftsführerin Hepatitis Schweiz, E-Mail: bettina.maeschli@hepatitis-schweiz.ch, Tel. 058 360 50 00
____________________________________________________________________________________________________________
"Benefit and Feasibility of a Birth Cohort Hepatitis C Screening Strategy in Switzerland: Cluster-Randomized Trial among Primary Care Physicians" (Studie "HCV Screening")

Studienziel: Das optimale Modell für HCV Screening in der Schweiz soll durch die Studie ermittelt werden.

Bedarf: Heute gilt eine offizielle Empfehlung, Risikopopulationen auf Hepatitis C zu testen. Ein Drittel der Betroffenen weiss aber nichts von der eigenen Diagnose. Damit mehr Menschen getestet, diagnostiziert und behandelt werden können, braucht es machbare und von den Grundversorgern gut akzeptierte Teststrategien und -empfehlungen.

Massnahmen: Die Machbarkeit von einer risikobasierten Teststrategie versus einer Strategie, die bestimmte besonders betroffene Geburtenjahrgänge, wird bei Grundversorgern evaluiert. Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Patienten werden befragt.

Studiendauer: Mitte 2018 bis Ende 2019

Projektleitung: PD Dr. med. Gilles Wandeler, Inselspital
_______________________________________________________________________________________________________
Management of follow-up care after successful hepatitis C treatment

Projektziel: Jeder Patient in der Schweiz, dessen Hepatitis behandelt und geheilt wurde, erhält eine adäquate Nachsorge.

Projektbedarf: Auch nach der Heilung braucht es für bestimmte Hepatitis-C-Patienten eine Nachsorge, um nachfolgende Leberkrankheiten rechtzeitig zu entdecken und zu behandeln. So haben Hepatitis-C-Patienten mit fortgeschrittenem Leberschaden auch nach der Heilung ein erhöhtes Risiko für Leberkrebs. Viele Patienten kommen aber nicht mehr in die Nachsorge.

Massnahmen: Das Projekt sieht vier Teile vor: 1. Die Entwicklung von Schweizer Guidelines für die Hepatitis-C-Nachsorge; 2. ein patientenzentriertes Projekt zur Akzeptanz der Nachsorge; 3. eine retrospektive Vergleichsstudie zur Angemessenheit der Nachsorge bei geheilten Patienten; 4. eine prospektive Vergleichsstudie, die den langfristigen Effekt der Nachsorge von geheilten Hepatitis-C-Patienten und den Nutzen für die öffentliche Gesundheit untersucht.

Dauer: Start im Herbst 2019.
___________________________________________________________________________________________________________
Label "Hepatitis-free"

Projektziel: Mikro-Elimination von viraler Hepatitis im Strafvollzug.

Massnahmen: Mikro-Elimination in diesem Setting braucht eine Definition. Danach starten Screening-Programme und Therapien. Um die Konkurrenz zu erhöhen, wird ein Label an die Institutionen vergeben, die zuerst die gesteckten Ziele erreichen.

Projekte

Hepfree.ch - Ein peer-to-peer-Projekt von Arud.

Die "Peers" wurden unter OST-Patientinnen und Patienten der Arud gewonnen. Zudem arbeiten zwei Mitglieder der Schweizerischen Hepatitis C Vereinigung mit. Ihr Ziel ist es, das Wissen um Hepatitis C bei ihren Peers zu erhöhen, die Testrate zu verbessern, die Rate von erfolgreichen Hepatitis-C-Therapien zu steigern sowie Re-Infektionen zu erhöhen.

Um mehr über den Wissensstand von Drogengebrauchern zu erfahren, führen die Peers in den nächsten Monaten eine Befragung bei 150 Drogenabhängigen durchgeführt. Aufgrund der Resultate wird die Informationsstrategie angepasst. Die Befragung findet in Bern, Basel und Zürich statt und wird alle sechs Monate wiederholt.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Hepatitis C Vereinigung durchgeführt.

Studien

The Swiss HCVree Trial: Elimination von Hepatitis C bei HIV/HCV-koinfizierten MSM

Dauer:
läuft seit Oktober 2015

Studienziel: Der The Swiss HCVree Trial will herausfinden, inwiefern die HCV-Elimination bei HIV/HCV-koinfizierten Männern, die Sex mit Männer haben (MSM), möglich ist, in dem sie getestet, behandelt und beraten werden.

Hintergrund: Die Gruppe der HIV/HCV-koinfizierten MSM sind die Neuinfektionen mit HCV in den letzten Jahren stark angestiegen. Allen MSM in der Schweizerischen HIV Kohorte wird ein HCV-Test und im Falle einer festgestellten chronischen Hepatitis C die Behandlung mit antiviralen Medikamenten (DAA) angeboten. Zusätzlich zur HCV-Behandlung erhalten alle Personen eine Beratung, wie sie sich vor zukünftigen Infektionen schützen können.

Erste Resultate : An der CROI 2018 wurden erste Resultate vorgestellt. 87 Prozent der HIV-positiven MSM in der Schweizerischen HIV Kohorte wurden auf Hepatitis C gescreent. 4.8 Prozent wiesen eine aktive Hepatitis C auf. Knapp 70 Prozent erhielten eine Therapie. Durch die Behandlungsintervention konnten die neuen HCV-Infektionen (die Inzidenz) um die Hälfte reduziert werden, die chronischen Infektionen gar um über 90 Prozent. Der Schluss der Autoren: systematisches Screening in dieser Population gefolgt von Behandlung mit den neuen antiviralen Medikamenten (DAA’s) und einer Beratung kann HCV in der Gruppe der HIV/HCV-koinfizierten MSM eliminieren.

Zur Studienbeschreibung
Leitung: Dr. Dominique Braun, Prof. Dr. Jan Fehr. Universitätsspital Zürich, Universität Zürich

Kontakt: Prof. Dr. Jan Fehr, Infektiologie, Universitätsspital Zürich.

___________________________________________________________________________________________________________
Die Hepatitis-C-Infektion und das Risiko für nicht-leber assoziierte Erkrankungen und Sterblichkeit

Studienziel: Die Studie untersucht den Einfluss einer Hepatitis-C-Infektion auf extrahepatische Erkrankungen und Sterblichkeit bei HIV/HCV-koninfizierten Patienten. Bei Evidenz für ein gehäuftes Auftreten nicht-leberassoziierter Erkrankungen und Mortalität durch das HCV-Virus selber, wäre eine Therapie bei allen HCV-positiven Personen anzustreben, unabhängig vom Leberfibrosestadium.

Es werden folgende Patientengruppen vergleichen: 1) Teilnehmer der Schweizerischen HIV Kohorte (SHCS) mit persistierender positiver HCV-Viruslast mit HCV-Spontangeheilten; 2) SHCS-Teilnehmer mit erfolglos behandelter HCV-Infektion mit HCV-erfolgreich behandelten Patienten.

Hintergrund: Die bisherigen Resultate von nicht-leberbedingten Krankheiten aufgrund einer Hepatitis-C-Infektion sind nicht einheitlich. Ein vermehrtes Auftreten von Nieren-, Knochen-, Stoffwechsel-, und Herzkreislauferkrankungen bei Hepatitis-C-positiven Patienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung wurde jedoch beschrieben.

Publikationen:
Kovari H, Ledergerber B, Cavassini M, et al. High hepatic and extrahepatic mortality and low treatment uptake in HCV-coinfected persons in the Swiss HIV Cohort Study between 2001 and 2013. J Hepatol. 2015; 63: 573-580.

Kontakt:
Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Dr. Helen Kovari, UniversitätsSpital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Zur Studienbeschreibung

Artikel

Artikel

Hepatitis B in der Schweiz, epidemiologische Situation 2014–2017 (PDF)
aus: BAG-Bulletin 35/18, S. 7ff.
publiziert am: 27.8.2018

A buyers’ club to improve access to hepatitis C treatment for vulnerable populations (PDF)
Vernaz Nathalie, Calmy Alexandra, Hurst Samia, Jackson Yves, Negro Francesco, Perrier Arnaud, Wolff Hans
Swiss Med Wkly. 2018;148:w14649
Publiziert am 22.08.2018

Hepatitis B prevalence, risk factors, infection awareness and disease knowledge among inmates: a cross-sectional study in Switzerland’s largest pre-trial prison (PDF)
Journal of Global Health
doi: 10.7189/jogh.08.020407
publiziert am: 30.7.2018

The epidemiology of hepatitis C in Switzerland: trends in notifications, 1988–2015
Jean-Luc Richard, Christian Schaetti, Sabine Basler, Mirjam Mäusezahl
Swiss Med Wkly. 2018;148:w14619
publiziert am 26.4.2018

Excellent outcome of direct antiviral treatment for chronic hepatitis C in Switzerland
Bachofner Jacqueline A. et al.
Swiss Med Wkly. 2018;148:w14560
Publiziert am 18.1.2018

Management of hepatitis C in decentralised versus centralised drug substitution programmes and minimally invasive point-of-care tests to close gaps in the HCV cascade (PDF)
Bregenzer Andrea, Conen Anna, Knuchel Jürg, Friedl Andrée, Eigenmann Franz, Näf Martin, Ackle Peter, Roth Martin, Fux Christoph Andreas
Swiss Med Wkly. 2017;147:w14544
Publiziert am 20.11.2017

Reduction of acute hepatitis B through vaccina-tion of adolescents with no decrease in chronic hepatitis B due to immigration in a low ende-micity country
Jean-Luc Richard, Christian Schaetti, Sabine Basler, Virginie Masserey Spicher
Swiss Med Wkly. 2017;147:w14409
Publiziert am 17.2.2017