Hepatitis C

Weltweit sind 71 Millionen oder ein Prozent aller Menschen mit Hepatitis C (HCV) infiziert. Jedes Jahr stecken sich 1 bis 2 Millionen Menschen neu an. In der Schweiz leben etwa 40'000 Personen mit einer Hepatitis-C-Infektion. Damit gehört Hepatitis C zusammen mit Hepatitis B (ebenfalls rund 40'000 Betroffene) zu den häufigsten Formen von viraler Hepatitis in der Schweiz. In Industrieländern sterben mehr Menschen an einer Hepatitis-C-Infektion als an HIV. In der Schweiz sind es etwa fünf Mal mehr Menschen, die an den Folgen einer Hepatitis C sterben als an HIV.

Hepatitis C wird oft unterschätzt, da die Infektion in der Regel ohne spezifische Symptome verläuft. Die meisten Betroffenen bemerken lange nichts von einer Infektion. Über mehrere Jahre bis Jahrzehnte kann sich eine Leberzirrhose entwickeln. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist trotz der hohen Zahl Betroffener gering. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht deshalb von einer «stillen Epidemie».

Nur bei einer Minderheit von 20 Prozent aller Infizierten heilt die Hepatitis C spontan aus, bei den meisten wird die Infektion chronisch. Bei 25 Prozent entwickelt sich eine Leberzirrhose (Vernarbung der Leber). Diese Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko für Leberkrebs. Eine chronische Hepatitis C ist der häufigste Grund für eine Lebertransplantation.

Unabhängig vom Leberschaden kann Hepatitis C auch andere Organe befallen. So haben Personen mit einer chronischen Hepatitis C ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Diabetes (Zuckerkrankheit), Gefässverkalkung gefolgt von Schlaganfall oder Herzinfarkt, bösartiger Lymphdrüsenkrebs oder chronische Nierenleiden.

Übertragung

Die Virusübertragung erfolgt im Wesentlichen durch kontaminiertes Blut, vor allem beim Tausch von Materialien beim intravenösen oder nasalen Drogenkonsum wie Spritzen, Nadeln, Röhrchen und ähnliches, bei ungenügend steril durchgeführten Tattoos, Piercings, Maniküre oder Pediküre, bei kommerziellen Rasuren mit ungenügend sterilen Klingen, bei Bluttransfusionen oder operativen Eingriffen in Ländern mit niedrigen hygienischen Standards  und von der Mutter zum Neugeborenen. Die Ansteckung über Geschlechtsverkehr ist selten, ausser bei HIV positiven Männern, die ungeschützten Sex mit andern Männern haben.

Risikogruppen

Gut die Hälfte der infizierten Personen haben sich via Drogenkonsum angesteckt. Daneben gibt es viele Menschen, die mit Bluttransfusionen oder bei (zahn-)medizinischen Eingriffen infiziert wurden, bevor das Virus entdeckt wurde. Menschen mit den Jahrgängen 1950 bis 1985 sind überdurchschnittlich häufig von Hepatitis C betroffen.

Symptome

Die Inkubationszeit für Hepatitis C beträgt zwei Wochen bis sechs Monate. Allerdings zeigen 80 Prozent der Infizierten im akuten Stadium gar keine Symptome. Eine akute Hepatitis C kann jedoch begleitet werden von Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, dunkler Urin, graufarbener Stuhl, Gelenkschmerzen und Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und der Augen). Tritt bis sechs Monate nach Ansteckung keine Ausheilung auf, geht die akute in eine chronische Infektion über.

Das häufigste Symptom einer chronischen Hepatitis C ist Müdigkeit, die bis zu einem den beruflichen und privaten Alltag stark behinderndem Ausmass auftreten kann. Weitere häufige Symptome sind Gelenkschmerzen, Schmerzen in der rechten, oberen Bauchhälfte sowie Konzentrationsschwierigkeiten und eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Die Symptome treten häufig schleichend auf, so dass viele Betroffene sie nicht mit ihrer Hepatitis-C-Infektion in Verbindung bringen und erst nach einer erfolgreichen Therapie nach Verschwinden der Symptome den Zusammenhang herstellen.

Wegen den fehlenden spezifischen Symptomen weiss nur ein Teil der Betroffenen von der Infektion. Etwa ein Drittel der auf 40’000 geschätzten infizierten Personen in der Schweiz haben keine Diagnose.

Nach einer Heilung gibt es keine schützende Immunität, ein Betroffener kann sich wieder infizieren.

Diagnose

Die Suchtest nach Hepatitis C basiert auf dem Nachweis spezifischer Antikörper, die das Immunsystem gegen das Virus erzeugt. Liegen Antikörper vor im Blut, wird das Blut weiter auf das Vorhandensein von Viren getestet (Viruslast). Erst mit dem Nachweis von Viren ist das Vorliegen einer aktiven Hepatitis-C-Infektion bestätigt. Hepatitis-C-Antikörper sind nach einem Kontakt mit dem Virus lebenslänglich vorhanden, also auch nach Ausheilung der Krankheit.  Zusätzlich wird der genetische Hintergrund des Virus mittels einer komplexen und teuren Methode nachgewiesen. Heute sind sieben verschiedene und als Genotypen 1 bis 7 bezeichnete Formen des HCV mit über 80 Subtypen bekannt. In der Schweiz sind die Genotypen 1 bis 4 relevant und der Genotyp 1 am häufigsten. Insgesamt werden jährlich circa 1300 neue Hepatitis-C-Diagnosen dem BAG gemeldet. Die Zahl der gemeldeten Fälle von akuter Hepatitis C (Arzt- und Labormeldungen an das BAG) stagniert seit 1992 bei 50 bis 65 Fällen pro Jahr. Aufgrund der Dunkelziffer dürfte die wirkliche Zahl neuer Fälle jedoch viel höher sein.

Prävention

Es steht keine Impfung gegen Hepatitis C zur Verfügung. Das Ansteckungsrisiko kann reduziert werden, indem auf das Austauschen von Drogenkonsum- und Zubereitungsmaterial (Nadeln, Folien, Röhrchen), Zahnbürsten, Rasierklingen und Nagelscheren verzichtet wird. Es ist ratsam, Tätowierungen oder Piercings nur von Tattoo-Studios vornehmen zu lassen, welche die Hygienestandards des BAG einhalten. 

Weitere Informationen zu Piercing und Tattoo

www.swiss.tattoo

Therapie

Eine chronische Hepatitis-C-Infektion ist heute in den allermeisten Fällen unkompliziert heilbar. Bis vor wenigen Jahren war die Standardbehandlung eine Kombination von Interferon und Ribavirin. Diese Therapien waren körperlich und psychisch eine grosse Belastung. Heute stehen antivirale Wirkstoffe zur Verfügung, die ohne Interferon auskommen und hochwirksam sind, nur von wenigen Nebenwirkungen begleitet werden und eine Heilung in über 95 Prozent der Fälle in 8 bis 12 Wochen herbeiführen.

Mit einer rechtzeitigen, erfolgreichen Therapie der chronischen Hepatitis-C-Erkrankung kann sich die Leber wieder weitgehend erholen, es steigt die Lebenserwartung und sinkt das Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes (Zuckerkrankheit), Nierenschäden, Schlaganfall oder bösartiger Lymphdrüsenkrebs. Viele heutzutage Behandelte berichten von einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität durch das Verschwinden der unspezifischen, aber belastenden Symptome.

Leben mit Hepatitis