Patienten mit Hepatitis C in Substitutionsprogrammen: Über die Hälfte erhalten keine Therapie

Eine aktuelle Studie des Kantonsspitals Aarau zeigt: Patienten in Substitutionsprogrammen sind oft ungenügend auf Hepatitis C (HCV) getestet und behandelt. Dies, obwohl intravenös Drogenkonsumierende eine Hochrisikogruppe sind. Die HCV-Behandlungs-Kaskade weist deutliche Lücken auf.

Die Autoren haben 161 Ärzte im Kanton Aargau, die total 631 Patienten behandeln, befragt und Gratis-Schnelltests für HIV und HCV sowie Fibroscans angeboten. Total 205 Patientinnen und Patienten wurden eingeschlossen. Die Resultate zeigen: Fast ein Viertel (24%) der Patienten wurden nie auf HCV getestet. 61 der 205 eingeschlossenen Patienten wiesen eine chronische Hepatitis C auf. Davon wurden bei 12 oder 20% nie der Genotyp bestimmt, bei 32 oder 53% wurde nie eine Leberbiopsie durchgeführt und 33 oder 54% wurden nicht therapiert. Somit erhielten über die Hälfte der Betroffenen nie eine Hepatitis-C-Therapie trotz Vorliegen einer chronischen Hepatitis-C-Infektion. Die Autoren kommen denn auch zum Schluss, dass das Hepatitis-C-Management bei dieser Hochrisikogruppe verbessert werden sollte. Insbesondere in dezentralen Einrichtungen, sprich bei Hausärzten, aber auch in Behandlungszentren wie Suchteinrichtungen oder Infektiologie-Abteilungen, könnte durch den vermehrten Einsatz von HCV-Antikörpertests und Fibroscans wichtige Lücken geschlossen werden.

Bregenzer A. et al., Swiss Med Wkly. 2017;147:w14544

Zur Studie

s. auch Viewpoint: Access to hepatitis C treatment for patients in drug substitution programmes: the fight is far from over

Bild: Lücken in der HCV-Kaskade vor und nach der Intervention

Bild: Lücken in der HCV-Kaskade vor und nach der Intervention

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