Neue Zahlen zu Hepatitis B und C: Es besteht dringender Handlungsbedarf

Neue Zahlen zu Hepatitis B und C: Es besteht dringender Handlungsbedarf

Eine Situationsanalyse zu Hepatitis B und C in der Schweiz zeigt: Die Krankheitslast von viraler Hepatitis ist hoch. Die vom BAG ergriffenen Massnahmen reichen nicht aus, um diese Krankheiten erfolgreich zu bekämpfen.

Das Bundesamt für Gesundheit hat die Resultate einer Situationsanalyse zu Hepatitis B und C veröffentlicht. Diese zeigen: Es besteht dringender Handlungsbedarf. Die Krankheitslast verursacht durch virale Hepatitis ist heute in der Schweiz sehr hoch, vergleichbar mit derjenigen aufgrund von HIV/Aids.

Die Situationsanalyse schätzt die Zahl der Hepatitis-B-Betroffenen auf etwa 30'000 und die Hepatitis-C-Betroffenen auf etwa 40'000 Personen. Zum Vergleich: Etwa 15‘000 bis 20'000 Menschen leben mit HIV. Gemäss Situationsanalyse sterben in der Schweiz rund fünf Mal mehr Menschen an Hepatitis C als an HIV. Virale Hepatitis ist in der Schweiz zudem der wichtigste Grund für Lebertransplantationen.

Die Autoren der Analyse kommen denn auch zum Schluss: „Unsere Analysen, und insbesondere die Vergleiche mit HIV, unterstreichen die hohe Morbidität und Mortalität durch Hepatitis C“. Während die Sterberate aufgrund von HIV in den letzten Jahren stetig zurückgegangen ist, trifft das auf Hepatitis C nicht zu. Dies, obwohl diese Krankheit im Gegensatz zu HIV heilbar ist. Mit geeigneten Massnahmen könnte die Sterberate auch für Hepatitis C gesenkt werden.

Das Netzwerk Schweizerische Hepatitis-Strategie sowie die unterzeichnenden Fachgesellschaften sehen als dringlich an, dass

  • die Massnahmen zur Bekämpfung von viraler Hepatitis sofort verstärkt werden und nicht weiter zugewartet wird,
  • bei der Umsetzung von Massnahmen bestehende Strukturen, Organisationen und Kommunikationskanäle genutzt werden,
  • das BAG mit allen Akteuren zusammenarbeitet sowie eine Eliminationsstrategie unterstützt und implementiert,
  • die herstellende Industrie die Medikamentenpreise senkt.

 

Wir begrüssen, dass das BAG eine punktuelle Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Schweizerische Hepatitis-Strategie in seiner Stellungnahme ankündigt. Das BAG will jedoch auf eine Strategie verzichten. Das ist bedauerlich: Die vom BAG in Aussicht gestellten Massnahmen reichen nicht aus, um virale Hepatitis wirksam einzudämmen.

Zudem hat das BAG angekündigt, den Zugang zu den Hepatitis-C-Medikamenten auf weitere besonders betroffene Gruppen auszuweiten. Mehr Infizierte erhalten damit die Chance auf Heilung. Doch sollten alle Patientinnen und Patienten, die leiden, Zugang zu den Therapien haben. Durch die Rationierung bleiben auch die bekannten Probleme mit den Krankenkassen bestehen, die sich weigern, Therapien zu bezahlen. Der eingeschränkte Zugang zu den heilenden Medikamenten verhindert zudem, Hepatitis C in der Schweiz zu eliminieren, was im grossen Interesse der öffentlichen Gesundheit wäre – auch aus wirtschaftlicher Sicht. Eine Senkung der Medikamentenpreise kombiniert mit der Aufhebung der Rationierung ist für eine Eliminierung der Hepatitis C in der Schweiz notwendig.

Auskünfte:

Bettina Maeschli, Kommunikation Schweizerische Hepatitis-Strategie, b.maeschli@arud.ch, 076 412 33 35
PD Dr. Philip Bruggmann, Leiter Schweizerische Hepatitis-Strategie, p.bruggmann@arud.ch, 079 322 70 00

Diese Mitteilung wird mitgetragen von der Schweizerischen Vereinigung für das Studium der Leber (SASL), der Schweizerischen Gesellschaft für Gastroenterologie und der Schweizerischen Gesellschaft für Infektiologie.

Medienmitteilung (PDF)

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