Hepatitis B

Hepatitis B ist eine der häufigsten und schwersten Infektionskrankheiten, die durch Viren verursacht werden. Die WHO schätzt, dass weltweit zwei Milliarden Menschen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) infiziert sind. Davon sind bereits 240 Millionen Menschen chronisch erkrankt, mehr als 780'000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen. In der Schweiz leben etwa 40’000 Menschen mit Hepatitis B. Hepatitis B ist hochansteckend. Bei einer Infektion durch eine verunreinigte Spritze ist die Ansteckungsgefahr 50 bis 100 Mal so hoch wie eine HIV-Infektion. Seit der Einführung der Impfung nehmen Neuansteckungen ab. Meistens heilt die akute Infektion ohne Folgeschäden aus. Die Infektion gilt als chronisch, wenn die Viren länger als sechs Monate im Blut nachweisbar sind.

Übertragung

Die Übertragung des Virus erfolgt durch kontaminiertes Blut oder andere Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränen, Samenflüssigkeit oder Vaginalsekret. Ungeschützter Geschlechtsverkehr, Nadeltausch bei intravenös konsumierenden Drogenbenützern sowie die Übertragung von der infizierten Mutter auf das Neugeborene sind weitere Infektionswege. Ansteckungen über Bluttransfusionen gibt es in der Schweiz kaum mehr, da seit 1980 alles Blut auf Hepatitis-B-Viren getestet wird.

Risikogruppen

Früher zählten Anwender intravenös konsumierter Drogen von Hepatitis B zur grössten Risikogruppe, heute sind es Personen mit ungeschützten sexuellen Kontakten – sowohl Hetero- wie Homosexuelle. Zudem haben Migranten aus Ländern mit hoher Hepatitis-B-Infektionsrate ein erhöhtes Risiko, selbst Träger des Virus zu sein – oft ohne es zu wissen. Dies gilt für Asien, Afrika südlich der Sahara, Südamerika, den Mittleren Osten, den Mittelmeerraum und Osteuropa. Bei den Berufsgruppen im Gesundheitswesen gehört Hepatitis B zu den häufigsten Berufserkrankungen. Einem sehr hohen Infektionsrisiko sind Kinder von Hepatitis-B-infizierten Müttern ausgesetzt.

Symptome

Die Inkubationszeit nach einer Infektion mit dem Hepatitis B Virus beträgt  60 bis 120 Tage. Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Die meisten Menschen mit einer Hepatitis-B-Infektion zeigen nur unspezifische oder gar keine Symptome, weder bei der akuten noch bei der chronischen Infektion. Manche entwickeln Symptome wie die Gelbfärbung von Haut und Augen, dunklem Urin, extremer Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Die Hepatitis B-Infektion kann sich zu einer chronischen Leberinfektion entwickeln, die später zu einer Leberzirrhose oder zu Leberkrebs führen kann. Mehr als 90 Prozent der gesunden Erwachsenen mit einer Hepatitis-B-Infektion erholen sich jedoch innert eines Jahres ganz von der akuten Hepatitis B. Dagegen entwickeln bis zu 90 Prozent der infizierten Neugeborenen und Kinder eine chronische Infektion.

Diagnose

Ein Hinweis auf das Vorliegen einer Hepatitis B kann die Erhöhung bestimmter Leberwerte sein. Verschiedene Laboruntersuchungen können den Nachweis von Antikörpern und Virusproteinen erbringen. Diese Tests ermöglichen es, zwischen frischer und chronischer Infektion zu unterscheiden. Sie zeigen auch, ob eine Immunität vorliegt.

Prävention

Schutz vor Hepatitis B bietet ein hochwirksamer Impfstoff, der in drei Injektionen verabreicht wird. Seit 1997 gilt in der Schweiz die Empfehlung, alle 11- bis 15-jährigen Kinder sowie alle Risikogruppen gegen Hepatitis B zu impfen. Dazu gehören auch die Kinder von infizierten Müttern, die unmittelbar nach der Geburt geimpft werden, um eine Infektion des Säuglings zu verhindern. Beim Zusammenleben im selben Haushalt oder bei Sexualkontakten ist eine Impfung ebenfalls empfehlenswert. Auch Angestellte im Gesundheitswesen sollten sich gegen Hepatitis B impfen lassen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung.

Die Verwendung von Kondomen bei Sexualkontakten verringert das Risiko einer Infektion mit dem Hepatitis B Virus. Im Alltag ist die Ansteckungsgefahr gering. Trotzdem sollten Rasierapparate oder Zahnbürsten nicht gemeinsam benutzt werden. Vorsicht ist auch bei Tattoos und Piercings geboten.

Therapie

Da die akute Hepatitis B bei den meisten Erwachsenen ohne Folgeschäden selber ausheilt, ist keine spezifische Therapie erforderlich. Für die Behandlung der chronischen Hepatitis B gibt es eine antivirale Therapie mit pegyliertem Interferon-alpha oder anderen antiviral wirkenden Medikamenten. Die Heilungschancen liegen bei etwa 40 Prozent. Da meist Erbgut von Viren in den Leberzellen verbleibt, bestehen kaum Chancen für eine echte Heilung der chronischen Hepatitis B. Mit der Behandlung wird aber die Menge der Viren im Blut reduziert – und damit das Risiko für eine Leberentzündung und die Entstehung von Leberzirrhose und Leberkrebs. Bei Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung ist die Lebertransplantation eine Therapiemöglichkeit.