Der Weg zur Strategie

Im Mai 2014 hat die Schweiz die WHO-Resolution zur Bekämpfung von viraler Hepatitis unterzeichnet. Darin verpflichtet sich die Schweiz unter anderem, eine nationale Hepatitis-Strategie auszuarbeiten.

Eine Gruppe bestehend aus über 70 ehrenamtlich tätigen Persönlichkeiten aus Medizin, Wirtschaft, Betroffenenorganisationen, Versicherern sowie  Politik hat mit der Erarbeitung einer solchen Strategie begonnen. Der Prozess startete im Januar 2014 mit einem Kick-off-Meeting, an dem unter anderem Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss, der UN-Sondergesandte Michel Kazatchkine sowie Nationalrätin Yvonne Gilli beteiligt waren.

Absicht der Strategie

Die individuellen, medizinischen und sozioökonomischen Folgen der Hepatitis-Epidemie in der Schweiz sollen mit patientengerechten, kosteneffizienten und umsetzbaren Massnahmen eingeschränkt werden. Die aktuell viel diskutierten Hepatitis-C-Medikamentenpreise und deren sinnvoller Einsatz sollen genauso Thema der Strategie sein wie die Prävention von neuen Infektionen, die Optimierung der Behandlung und die Reduktion von Erkrankungsraten und Todesfälle aufgrund von viraler Hepatitis.

Vision

Die Vision der nationalen Hepatitis-Strategie für die Schweiz ist es, virale Hepatitis in den nächsten 15 Jahren zu eliminieren. Unter Elimination wird die Reduktion der Übertragungsraten auf Null verstanden, wobei gleichzeitig kontinuierliche Anstrengungen nötig sein werden, um das Wiederauftreten von Infektionensübertragungen zu unterbinden.

Diese Vision soll durch folgende drei Ziele erreicht werden:

1. Reduktion der sozioökonomischen Auswirkungen der viralen Hepatitis auf der Ebene des Individuums, besonders betroffener Gruppen und der Allgemeinbevölkerung

Die Zunahme von Erkrankungen und Todesfällen aufgrund viraler Hepatitis bedeutet eine grosse Last für die öffentliche Gesundheit mit negativen sozialen und wirtschaftlichen Folgen. Hepatitis C führt zu Stigmatisierung und Diskriminierung. Mehr Aufmerksamkeit fürs Thema, mehr Diagnosen und gezielte Behandlungen sowie Preisreduktionen für die Hepatitis-Medikamente, zB. über volumenabhängige Preise, könnte diese Last mindern.

2. Reduktion der Übertragung von Hepatitis B und Hepatitis C

Schätzungsweise weniger als 50 Prozent der Infizierten sind getestet. Viele Betroffene wissen nichts über die Krankheit und können die Infektion potentiell weitergeben. Primäres Ziel muss daher sein: Eine bedeutende Verbesserung der Diagnose- sowie Behandlungsraten und Prävention in Bevölkerungsgruppen, die besonders betroffen sind von Übertragungen. Weiter noch nicht diagnostizierte Infektionen, die den Krankheitsverlauf in der Allgemeinbevölkerung vorantreiben, entdecken und behandeln. Hepatitis B-Übertragungen können bei einer optimalen Impfabdeckung in der Allgemeinbevölkerung reduziert werden. Eine Reduktion der Neuinfektionsraten um 30 Prozent in fünf Jahren und 90 Prozent in 15 Jahren wird angestrebt.

3. Reduktion der Morbidität und Mortalität aufgrund von viraler Hepatitis

Die angestrebten Werte sind:

  • Hepatitis C: Chronische Infektionen werden in 5 Jahren um 30 Prozent reduziert sein, Elimination bis in 15 Jahren.

  • Hepatitis B: Chronische Infektionen werden in 5 Jahren um 20 Prozent reduziert sein, um 80 Prozent bis in 15 Jahren.

  • Lebertransplantationen aufgrund viraler Hepatitis und Leberversagen werden in 5 Jahren um 30 Prozent reduziert und bis 2030 auf Null reduziert.

  • Leberkrebs aufgrund viraler Hepatitis wird um 30 Prozent reduziert in fünf Jahren und eliminiert in 15 Jahren.

Die Vision und Ziele spiegeln den aktuellen Diskussionsstand wider und können jederzeit aufgrund aktueller Erkenntnisse neu diskutiert und angepasst werden. Sie dienen jedoch als wichtige Richtschnur, um die zukünftigen Aktivitäten zu definieren.

Process Paper Strategy October 2016

Organisation

Netzwerk

Das Netzwerk bilden über 70 ehrenamtlich tätige Fachleute, die alle zur Hepatitis Thematik relevanten Gesichtspunkte, vertreten. Die Mitglieder treffen sich zwei Mal im Jahr an einem Hepatitis-Strategie-Meeting.

Arbeitsgruppen

Im September 2014 hat das Netzwerk Handlungsfelder identifiziert und Arbeitsgruppen dazu eingerichtet. Zurzeit arbeiten Gruppen zu folgenden Themen: «Aufklärung und Prävention», «Testen und Überwachen», «Therapie», «Risikogruppen», «Finanzierung und Preise» sowie «Politik». Je eine Liaison-Person bildet die Verbindung zu den anderen Arbeitsgruppen und der Trägerschaft.

Das Netzwerk und die Arbeitsgruppen sind zuständig für die Entwicklung und Implementierung der Strategie.

Projektleitung

Die Projektleitung ist für die operativen Aufgaben der Strategieentwicklung zuständig wie die Organisation der Meetings, Terminplanung, Koordination der Aktivitäten der Arbeitsgruppen, Budgetierung, Fundraising und Kommunikation.

Trägerschaft

Die Strategie wird getragen von den ärztlichen Fachgesellschaften Swiss Experts in Viral Hepatitis (SEVHep), der Schweizerischen Gesellschaft für Gastroenterologie (SGG), der Swiss Association for the Study of the Liver (SASL) und der Schweizerischen Gesellschaft für Infektiologie (SGINF), dem Positivrat und dem Global Health Programme des Graduate Institute Geneva.

www.sggssg.ch
www.sasl.unibas.ch
www.sginf.ch/
www.positivrat.ch/
graduateinstitute.ch/globalhealth